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USA Roadtrip (Westen) - Babymoon

Aktualisiert: 27. Feb.


Das Monument Valley bei Sonnenaufgang

Im Oktober 2022 war der langersehnte Moment endlich gekommen und unser Sohn trat mitten in einer für diese Jahreszeit lauen Nacht in unser Leben. Lange vorher fragten wir uns wie und vor allem wo wir die Kennenlernzeit mit dem Kleinen verbringen möchten. Im sicheren Hafen unserer vertrauten Wohnung und Umgebung? Nicht mit uns!

Trotz nervenaufreibender und oftmals kurzer Nächte möchten wir schnellstmöglich die Koffer packen und mit dem kleinen weit weg reisen um die Zeit zu dritt in vollen Zügen geniessen.

Somit konnte unsere Planung für unsere Babymoon starten!

 

Die Faszination für die USA, insbesondere den Westen, teilen wir schon lange. Die pulsierenden Grossstädte wie Los Angeles, San Francisco oder Las Vegas in Kontrast mit der Wunderschönen Natur wie dem Naturwunder Grand Canyon, dem in einem Indianerreservat gelegenen Monument Valley oder den grünen Wäldern des Yosemite Nationalparks machen den Westen der USA für uns schon früh zu einem unserer Lieblingsreiseziele. Diese Vielfältigkeit an Erlebnissen, die angenehmen klimatischen Verhältnisse und die stabile Gesundheitsversorgung für den kleinen bestätigten uns darin den perfekten Ort für unsere erste Zeit zu dritt gefunden zu haben.

 

Was ist mit „Babymoon“ eigentlich gemeint?

Eigentlich beschreibt „Babymoon“ die letzten Ferien vor der Geburt des Kindes, also noch in der Schwangerschaft. Wir finden aber, da der Ausdruck Honeymoon die ersten gemeinsamen Ferien nach der Hochzeit beschreibt, dass Babymoon besser zu den ersten Ferien mit Baby passt. Und deshalb haben wir dem Wort kurzerhand eine eigene Bedeutung zugeschrieben.

 

So, endlich geht’s los! Wer jetzt als erstes an einen anstrengenden Flug mit einem wenigen Monate alten Baby denkt, denkt schon zu weit. Die Herausforderung beginnt nämlich schon beim Packen. Wir sind ziemlich erstaunt, denn der Koffer für den Kleinen ist randvoll und dazu noch schwerer als die unseren und dennoch passt nicht alles rein. Den Rest verteilen wir also noch auf unsere Koffer und Papa lässt dafür ein Paar Schuhe mehr zu Hause.

 

Nach der Verabschiedung der Familie geht es endlich durch die Sicherheitskontrolle und schon heben wir ab Richtung USA. Dank des von der Airline zur Verfügung gestellten Kinderbetts (Bassinet) schläft der Kleine fast den ganzen Flug durch. Zwischendurch wird gespielt und mit den Nachbarn geplaudert. Der Kleine liebt es Konversationen zu lauschen, vor allem mit fremden Leuten, die er gründlich mustert. Gut 12 Stunden später landen wir in Los Angeles. Schon bei der Sicherheitskontrolle schlägt uns ein erstes Mal die hier selbstverständliche Kinderfreundlichkeit entgegen. Ein Mitarbeiter ruft «Stroller - this way please!» Wir laufen also mit dem Kinderwagen gemütlich an der langen Schlange vorbei und können an einem freien Schalter die Sicherheitskontrolle durchführen. Nach Abholen des Gepäcks fahren wir mit einem Shuttle zur Autovermietung wo unser vorab gebuchtes Fahrzeug bereits auf uns wartet. Ein Chevrolet Tahoe. Für 2 Personen und ein Baby eigentlich viel zu gross. Jedoch haben wir mit den Koffern, dem Kinderwagen und einem tragbaren Babybett auch reichlich Gepäck! Und offen gestanden macht es auf den breiten Strassen der USA einfach viel mehr Spass so einen riesigen Geländewagen zu fahren.


Eltern mit Baby auf dem Weg zum Flugzeug

Venice Beach

Für die ersten zwei Wochen haben wir uns ein bescheidenes Apartment im hippen Stadtteil Venice Beach gemietet. Klein aber fein. Abgeschlossene Zimmer gibt es nicht, heisst also Schlafzimmer, Küche, Wohnzimmer und Platz zum Spielen ist auf engem Raum vereint. Das ist aber nicht weiter schlimm, da wir ohnehin tagsüber unterwegs sind.

 

Gleich am nächsten Morgen brechen wir bereits wieder auf. Zum Strand ist es ein gemütlicher Spaziergang durch die ruhige Nachbarschaft, wo man nebenbei noch die ausgefallenen Häuser bestaunen kann. Venice Beach ist ein kunterbunter Haufen. Von Häusern, die mit Totenköpfen und Skeletten dekoriert sind (es ist Mai und somit noch lange nicht Halloween) über Designerhäuser mit goldigen Fensterrahmen ist alles dabei.

Das Frühaufstehen mit einem Baby kann auch seine Vorteile haben! Frühmorgens an der Strandpromenade entlangschlendern ist ein perfekter Start in den Tag. Surfer reiten bereits die ersten Wellen, die Standverkäufer bauen ihre Stände auf und lauter Jogger und Fahrradfahrer absolvieren ihr Morgenprogramm. Hier können wir uns draussen in ein Café setzen und das Treiben beobachten.


 

Nebst den bekannten Sehenswürdigkeiten wie dem Walk of Fame, dem Griffith Observatory und einem Besuch in den Universal Studios möchten wir bevor die Reise weiter geht, unbedingt noch San Diego sehen. Die Stadt ist nur 2 Stunden entfernt und somit ein ideales Ziel für einen Tagesausflug. Im Stadtteil Little Italy laden verschiedene Restaurants, Shops und Cafés zum Verweilen und Flanieren ein. Die Altstadt (Old Town San Diego) ist auf jeden Fall auch einen Besuch wert. Hier lässt sich authentisch der Einfluss des südlichen Nachbarn Mexico erkennen. Von hier aus sind es auch nur noch 30 Kilometer bis zur mexikanischen Grenze.

Weiter geht’s zum Hafen, denn wir möchten uns den Flugzeugträger USS Midway anschauen, oder besser gesagt bestaunen. Mit dem Kinderwagen kommen wir hier wohl nicht gut durch, also nehmen wir den Kleinen in die Babytrage. Die Stimmung in den engen und tiefen Gängen ist faszinierend und beängstigend zu gleich. Wir stellen uns vor wie bei einem Einsatz die Sirenen laut durch die Gänge heulen und Marinesoldaten auf ihre Stationen eilen. Ehemalige Soldaten, sogenannte Veteranen, stehen an verschiedenen Punkten und beantworten Fragen zum Schiff. Einer von ihnen erzählt uns von seiner Zeit als Marinesoldat und seinen Erlebnissen im Vietnam-Krieg.


 

Nach zwei Wochen verabschieden wir uns von Venice, denn unser kleiner Roadtrip beginnt! Um die Fahrzeit zu unserem nächsten Ziel aufzuteilen, übernachten wir eine Nacht in Palm Springs, dem Winterferienort der Hollywood-Stars. Bis auf die Einkaufsmeile Palm Canyon Drive, den hochragenden Bergen rundherum und der Architektur aus dem 20. Jahrhundert, gibt es hier jedoch nicht viel zu entdecken.



Auto in Palm Springs

 

Am nächsten Tag geht es weiter Richtung Osten. Wir bemerken, wie das Thermometer stetig steigt. In Tucson, Arizona angekommen steigen wir vor dem Hotel aus und uns trifft fast der Schlag. Es ist gefühlt 100 Grad heiss! Also ist bei Tag wohl nicht an Entdeckungstour zu denken. Also verbringen wir den Nachmittag am und vor allem im Hoteleigenen Pool auf dem Dach. Ein Riesenspass für den Kleinen und eine sehr willkommene Abkühlung für uns!

Nach der eher hippen und leichten Küche von Los Angeles haben wir wieder einmal Lust auf etwas deftiges zum Abendessen. Also gibt es heute ein saftiges Steak im Pinacle Peak Steakhouse! Das Restaurant ist Teil eines mit viel Sinn fürs Detail nachgebauten alten Westernstadt. Wir fühlen wir uns gleich in die Zeit der Cowboys zurückversetzt. Neben dem Restaurant steht der Saloon, danach kommt die Gefängniszelle, der Barbershop und vieles Mehr. Tags darauf haben wir einiges vor. Zuerst geht es in den Seguaro Nationalpark am Stadtrand von Tucson. Für uns als Kaktusfans ein Muss! Wir sind beeindruckt und bestaunen dieses Meer aus haushohen Kakteen, die die Landschaft überziehen. Auch dem Kleinen geht beim Hinaufschauen immer wieder der Mund auf und lehnt sich immer wieder nach vorne als wolle er diese stacheligen grünen Dinger am liebsten abtasten.

Zum Lunch gibt’s etwas ganz Ausgefallenes. Der Food Truck La Carreta del Rorro ist weit über Tucson für seine leckeren Hot Dogs bekannt, und genau den wollen auch wir kosten. Der Food Truck steht an einer Schnellstrasse und ist schlicht gehalten. Ein paar zusammengewürfelte Tische mit Gartenstühlen und an der Wand hängen Autoschilder aus allen Teilen des Landes. Wir bestellen uns einen Hotdog mit Speck, Jalapeno, kleingehackten Tomaten, Senf, Naturjoghurt und natürlich der Wurst. Im Gegensatz zu unseren, sagen wir eher langweiligen Hot Dogs, entfacht dieser ein echtes Geschmacksfeuerwerk im Mund! Die Mischung ist perfekt gelungen und wir überlegen uns trotz Völlegefühl einen weiteren zu teilen.

 


Weiter geht’s in die Hauptstadt des Bundesstaates Arizona nach Phoenix, wo uns die erste Nacht wohl leider nicht in bester Erinnerung bleiben wird. Die Klimaanlage im gesamten Hotel ist ausgestiegen und im Zimmer zeigt das Thermometer 31 Grad an. Da draussen ähnliche Temperaturen herrschen, bringt auch ein offenes Fenster auch keine Abkühlung. Auch dem Kleinen macht die Hitze zu schaffen und er muss sich zwei Mal übergeben. An Schlafen ist schon gar nicht zu denken. Nach mehrmaligem Nachhaken an der Reception wird uns endlich ein Zimmer in einem Hotel am anderen Ende der Stadt gebucht. Also packen wir um Mitternacht die Koffer und fahren zur neuen Unterkunft wo alles zu funktionieren scheint. Der Kleine ist so erschöpft, dass er zum ersten Mal überhaupt 7 Stunden durchschläft, und wir natürlich mit ihm.

 

Monument Valley

Nach einer gut 6-stündigen Fahrt durch die Wüste von Arizona, kommen wir an einem echten Highlight unserer Reise an. Vorhang auf für das malerische Monument Valley!

Wir befinden uns hier in einem Reservat der Ureinwohner. Bereits wenige Meter nach der Eingangspforte stehen die kleinen, aber feinen Cabins. Auf dem Balkon erwartet einen eine atemberaubende Aussicht! Die imposanten Felstürme aus rotem Stein und dahinter die unendliche Weite ist fast nicht in Worte zu fassen. Auch hier schweifen unsere Gedanken in die Vergangenheit ab und wir wünschten in diesem Augenblick die Zeit zurückdrehen zu können und den Ureinwohnern bei ihrem täglichen Tun zuschauen zu können. Denn auch die Ureinwohner haben sich natürlich weiterentwickelt. Sie betreiben Souvenirgeschäfte, Tankstellen und gehen auch sonst gewöhnlichen Tätigkeiten nach. Am Abend holen wir uns im Hotelrestaurant Burger und Pommes und geniessen den Sonnenuntergang vor dieser traumhaften Kulisse auf unserem Balkon.



Die Kleinstadt St. George liegt ziemlich in der Mitte der Fahrstrecke zu unserem nächsten Ziel und wie zuvor in Palm Springs ist hier nur ein Zwischenstopp ohne viel Programm geplant. Die Stadt liegt in einem Tal und wirkt wie auf einen Schlag hingepflanzt. Umringt wird sie von rot-braunen Hügeln und darüber hinaus weit und breit nichts, ausser Wüste und karge Landschaft.

Wir machen uns auf den Weg zur Felsformation St. George Narrows, einer Art Mini-Canyon. Man kann die Felsen hinaufsteigen und die Kids können sich beim auf- und ab klettern auspowern. Es gibt einen sehr schmalen Durchgang zwischen zwei solcher Felsen, wo sich vor allem Kinder aber auch abenteuerlustige Erwachsene bis ans andere Ende durchschlängeln können. Uns war es jedoch trotz anfänglicher Euphorie dann doch viel zu eng und wir haben ziemlich schnell wieder kehrt gemacht. Als nächstes geht’s zum Town Square Park. Ein Park mit viel Grün mitten im Ort. Kinder plantschen und spielen im kühlenden Springbrunnen. Auf der grossen Spielwiese geniessen wir drei unser Mittagessen und machen kurz darauf im Schatten eines Baumes ein wohltuendes Nickerchen. Wenn wir schon hier sind, schlendern wir danach noch durch das Ortszentrum und müssen gestehen es hat echt Charme! Es reihen sich Geschäfte und Restaurants aneinander, Statuen von wahrscheinlich historisch wichtigen Personen stehen an vielen Kreuzungen und dennoch wirkt es hier überhaupt nicht touristisch, eher wie eine Art moderne Westernstadt. Don’t judge a book by it’s cover trifft für uns im Fall von St. George perfekt zu.



Die Zeit auf einem Roadtrip vergeht leider wie im Flug und schon brechen wir auf zu unserem letzten Ziel. Mitten in der sengend heissen Wüste von Nevada liegt die Stadt der Sünde. Las Vegas! Die Sehenswürdigkeiten in Las Vegas sind schnell aufgezählt. Es sind alle Hotels entlang des Strips! Jedes auf seine Weise einzigartig und sehenswert. Hier wird es auch dem Kleinen nie langweilig und er kann eine Attraktion nach der anderen bestaunen. Wir verbringen hier 3 Tage und übernachten im Paris Hotel. Obwohl der Strip mit seinen riesigen Hotels, Shops und Strassenkünstlern eine sehr unterhaltsame Meile ist, müssen wir sagen, dass es mit einem Kinderwagen nicht immer einfach ist durchzukommen. In der Mitte des Boulevards muss nämlich über eine Fussgängerüberführung die Strassenseite gewechselt werden, um weitergehen zu können. Wenn ein Aufzug gerade nicht funktioniert (was sehr oft passiert) muss man entweder einen grossen Umweg um die Blocks laufen oder improvisieren. Wir haben einfach die Rolltreppe benutzt und haben den Kinderwagen gut festgehalten. Den Kleinen dabei natürlich auf dem Arm. Am letzten Tag gönnen sich Mama und Papa ein ganz besonderes Erlebnis. Wir fahren nach dem Frühstück knapp eine halbe Stunde aus der Stadt raus zu «GoJump Las Vegas» zum Fallschirmspringen! Für beide ist es das erste Mal.

Schon beim Kennenlernen mit den Springpartnern wird klar wie sie für das Fallschirmspringen brennen und es kaum erwarten können aus dem Flugzeug zu springen. Wir möchten es doch lieber langsam angehen. Nach ein paar Instruktionen geht es auch schon zum Flugzeug und hinauf auf über 4'500 Meter! Da heute ausser uns keine Sprünge gebucht sind, schliessen sich noch alle anderen Mitarbeiter an, die auch noch mitspringen möchten. Die Stimmung im Flugzeug ist ausgelassen und alle sind voller Vorfreude, bis auf die Neulinge. Wir versuchen mitzulachen und unsere Nervosität zu unterdrücken doch bei jedem Blick nach unten gibt’s ein leeres Schlucken.

Das Licht wechselt auf grün, das heisst «Jump»! Noch schnell an den Rand gesetzt, 2-mal hin und her gewippt und schon schleudern wir raus ins Nichts! 10 Sekunden freier Fall. Die Mischung aus purem Adrenalin und Freiheitsgefühl ist einfach unglaublich. Nach Ziehen des Fallschirms geniessen wir noch die Aussicht auf die endlose Weite der Wüste und sind froh, als wir schnell wieder auf festem Boden landen. Trotz Übelkeit fahren wir immernoch voller Adrenalin zurück ins Hotel und sind dankbar für dieses Erlebnis.

Am nächsten Tag werden wir nach LA zurückfahren und einen Tag später schon wieder nach Hause fliegen.

 


Wir haben eine grossartige und vor allem ereignisreiche Zeit verbracht und konnten sie in vollen Zügen geniessen.

 

Und an alle die auch schon mit dem Gedanken gespielt haben mit ihrem Baby einen Roadtrip zu unternehmen, sich aber aus verschiedenen Gründen nicht trauen, können wir nur sagen:

Es wird auch mal anstrengend sein, oft ist Improvisation gefragt und nicht selten werdet ihr an die bequemen Ferien vor der Geburt eures kleinen Wunders zurückdenken. Und dennoch werdet ihr es niemals bereuen und euch euer Leben lang an viele fantastische Erlebnisse zurückerinnern.

 

Eure Travelbuddys

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